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Das Rittertum

  

Jeder Adelige hatte die Pflichten eines Ritters anzunehmen.                                   Ritter leitet sich vom germanischen Begriff ritare, also Reiter ab. Es waren ursprünglich die Berittenen des germanischen Volksheeres, aus der Masse des Volkes herausragende Persönlichkeiten, die durch Besitz, Tapferkeit und anerkannte Vornehmheit es sich leisten konnten, nicht zu Fuß, sondern auf dem Pferd zu kämpfen.

Die Ritterschaft war niemals vererbbar, sie musste individuell erworben werden.

 

Ausbildungsgang:     

                       Mit 7 Jahren trat der Knabe bei einem Ritter, der es sich leisten konnte, als Page bei der Herrin in Diensten, es war in der Regel die Ehefrau des Ritters.  Hier lernte der Knabe, der Herrin zu dienen, Anstand und vornehmes Auftreten.

                    Mit 14 trat er in den zweiten Ausbildungsgang – es folgte die sogenannte Wehrhaftmachung  als Knappe – hier war er verantwortlich für die Pferde, die Ausrüstung und Bewaffnung des Ritters – im Kampf hielt er sich immer in der Nähe seines Herrn auf, schützte ihn und reichte ihm die Waffen , führte ihm ein frisches Schlachtross zu oder schützte und verteidigte ihn, wenn er von einem stärkeren Gegner kampfunfähig geschlagen wurde.

                      Mit 21 Jahren erhielt er als Zeichen seiner Würde den Ritterschlag. Geschenke waren das äußere Zeichen seiner neuen Würde: eine goldgewirkte Schärpe, ein Rittergürtel, an dem er sein Schwert tragen durfte, ein Paar goldene oder vergoldete Sporen und schließlich das Wichtigste: das Ritterschwert.

 

                       Der Ritterschlag erfolgte anlässlich hoher kirchlicher Feiertage durch einen Fürsten oder sogar durch den König , den kirchlichen Teil übernahm meist ein Bischof.

 

Dieser Ritterstand war prägend für die gesamte Gesellschaft und ist auch heute noch lebendig. Wir sprechen von ritterlichem Verhalten, wenn jemand für einen anderen selbstlos eintritt, wenn ein Herr eine Dame zuvorkommend und höflich behandelt, auch wenn ein Stärkerer einen Schwächeren schont. Und das alles geschieht unaufdringlich und vorbildlich und ohne Forderung nach Entlohnung. Dem ritterlichen Verhalten ist alles fremd, das sich in den Vordergrund drängen will und laut und lästig von sich reden macht. Bescheidenheit und Maß sind Kennzeichen ritterlicher Einstellung und ritterlichen Verhaltens.   

                

Der Ritter hatte aufgrund seiner Treuepflicht dem Ruf des Königs Folge zu leisten. Zu seinen Unterhalt und für seine Kriegsausrüstung bekam er ein Lehen aus dem Besitz des Königs. Das Lehen stand im Gegensatz zum „Allod“, das dem Adeligen bzw. Ritter als Eigenbesitz gehörte und das er nicht von seinem Herrn zu Lehen verliehen bekam.

 

Wer dem Ritterstand angehörte, erhielt aus dem Grundbesitz des Königs, später auch aus dem Besitz von Herzögen, Fürsten und Grafen Landbesitz zur Nutzung übertragen. Die ursprüngliche Größe eines solchen Lehens betrug vier bis fünf Hufen. Eine Hufe entsprach zwischen 30 Morgen und 60 Morgen Landbesitz, so dass man eine ritterliche Hofstelle mit zwischen 120 und höchstens 300 Morgen rechnen kann. Das erscheint als recht stattlich, vor allem dann, wenn man an die Größe heutiger Bauernhöfe denkt. Das wären zwischen 30 und 75 ha. Dennoch reichte dieses Land nur knapp für die Bedürfnisse des Ritters aus.

Die Erträge damals sind mit den heutigen nicht zu vergleichen. Das Ackerland trug nicht mehr als das Dreifache des eingesetzten Saatgutes, heute gehen wir von der 25fachen Erntemenge aus. Außerdem musste ein Teil des Ackerlandes immer brachliegen, um sich zu erholen. Ein weiterer Teil konnte nur als Weide genutzt werden, um den Futterbedarf für das Vieh zu decken und ein weiterer Teil war Wald, der oftmals als Waldweide genutzt wurde. Wenn es dann Missernten gab oder der Landbesitz durch die häufigen Fehden verwüstet wurde, herrschte blanke Not. So trachtete jeder Ritter danach, seinen Landbesitz auf Kosten der freien Bauern oder seines ritterlichen Nachbarn zu erweitern. 

 

Entstehung des Wappens

 

Bei Turnieren und in der Schlacht war der Ritter bis zur Unkenntlichkeit geschützt und gerüstet: Der germanische Ritter schützte sich gegen Schwerthiebe und Lanzenstich durch ein Kettenhemd, später kamen Kettenhosen hinzu, die in schwere Eisenschuhe hineinführten. Zusätzlichen Schutz boten später Stahlplatten, die wichtige Körperteile schützten und schließlich Ganzkörperharnische.

Zum Schutz des Kopfes diente der Helm mit allerlei Zierrat und mit Visier.     Für die Zuschauer bei Turnieren und auch für die Mitkämpfer, aber vor allem in der Schlacht, waren Freund und Feind kaum zu erkennen und zu unterscheiden. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, zur Unterscheidung Kennzeichen an der Rüstung, auf dem Helm, auf dem Schild und auch auf der Pferdedecke anzubringen. Noch viel wichtiger wurde diese Kennzeichnung im Kampf, um jederzeit zu erkennen, wo sich der Ritter befand, wo ein Graf oder der Herzog, sogar der König kämpfte. Es war die Geburtsstunde der Wappen. Bekannt wurde das weißblaue Rautenwappen der Grafen von Bogen, das sich bis heute im bayerischen Staatswappen erhalten hat.      

Das Wappen wurde von einem Unterscheidungsmerkmal zu einem Symbol einer besonderen  gesellschaftlichen Gruppe erhoben. Wer ein Wappen führte, war etwas Besonderes, und wer sich mit den Wappen auskannte, wusste sehr bald, was der andere „im Schilde führte“. Und natürlich kannte man als Ritter bald die Wappen seiner Verbündeten und seiner Gegner, besonders aber die Kennzeichnung seines Lehnsherrn, der als König und Kaiser zusätzlich durch die Reichssturmfahne und sein Banner von weitem bereits zu erkennen war.

 

Das Lehen wurde zu Eigentum

 

Ab dem 9. Jh. setzte eine Besserstellung der Ritter ein. Die Könige begannen, die Lehen erblich zu machen. Das war die erste Stufe. Im 12. und 13. Jh. folgten die Schritte vom Lehen zum Eigentum. Dieses führte zu einer Abstufung in ein System von Ober- und Untervasallen und zunehmend in ein hierarchisches Gliederungssystem. Hier zeigt sich wiederum, wie die Gesellschaftliche Ordnung zur Hierarchisierung neigt.  

Größerer Grundbesitz wurde in Landgütern zusammengefasst, deren Verwaltung aber nicht der Ritter selbst übernahm, sondern einem Verwalter, einem Meier (daher der Name Meierhof) übertrug. Gehörten zur Herrschaft weitere Burgen, wurden diese jeweils mit einem Vogt besetzt. Ein Vogt war ein Verwalter eines Verwaltungsbezirks, aber nicht notwendigerweise ein Ritter. Diese Vögte wurden immer selbständiger und wandten sich oftmals gegen ihren Herrn, sie betrachteten immer mehr ihren Verwaltungsbezirk als ihre Domäne – also ihr Eigentum. Nicht selten kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Vogt und Herrn.

  
  
   

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